Audienz bei Papst Franziskus

Lieber Bundesbruder!

Bbr. Johann Günther v/o Leonitas berichtet von seiner Radtour 1.600 Km nach Rom und bekommt beim Heiligen Vater Papst Franziskus eine Audienz!

Hier sein Bericht:

Liebe Bundesbrüder!

Ich fuhr in zwei Etappen von der Hinterbrühl nach Rom um den Papst zu treffen. Im ersten Abschnitt bis Venedig und im Mai von Venedig nach Rom. In 14 Fahrtagen bewältigte ich 1600 Kilometer, um dann am Ende bei Papst Franziskus eine Audienz zu bekommen. Ich habe da dem Papst mein Buch über das Hinterbrühler Fastentuch von Rosa Jörger und die Biografie über unseren verstorbenen Pfarrer Franz Jantsch übergeben. Papst Franziskus ließ sich erklären, wie Frau Rosa Jörger mit Kinderdorfkindern das Fastentuch gemacht hat und wer Franz Jantsch war.

Das Gespräch mit dem Papst war sehr menschlich. Einerseits erkundigte er sich nach der Qualität der Straßen für Radfahrer und gab sich selbst gleich die Antwort „In Italien sicher schlecht“. Andererseits meinte er zu Franz Jantsch, der ja 70 Jahre Priester war, dass es mit solchen Menschen keinen Priestermangel geben würde.

Ich fuhr den Weg alleine und hatte viele Erlebnisse. Im Stift Sankt Lambrecht nächtigte ich auf Vermittlung von Altabt Otto in einer Mönchszelle. An einem Tag – es war schon später Nachmittag – hatte ich noch kein Quartier. Das Dorf lag oben auf einem Hügel. Um nicht unnötig Kraft zu vergeuden und hinauf zu radeln, um dann festzustellen, dass es im Dorf keine Nächtigungsmöglichkeit gibt fragte ich an einer Tankstelle. Die Antwort: in der ganzen Umgebung gäbe es kein Quartier. Eine Frau aber meinte „Versuchen sie es unten im Schloss und fragen sie die Komtessa ob sie ihnen ein Zimmer gibt. Die Baronin gab mir kein Zimmer, sondern ein kleines Haus für diese Nacht. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass dieses Gut der Landsitz der Habsburger, als die Toskana noch zu Österreich gehörte, war. Die Baronin und ihr Mann aus einem russischen Adelshaus waren begeistert, als sie erfuhren, dass ich eine Audienz beim Papst hätte. Sie meinten, ich sei von Gott gesandt. Sie hätten eine Freundin mit drei kleinen Kindern, die hoffnungslos gelähmt sei und nur mit den Augen Kontakt zu ihrer Umwelt hält. Der Baron bat mich einen Brief, den er noch am selben Tag schrieb, dem Papst persönlich zu geben, damit er für diese Frau bete. Neben meinen beiden Büchern brachte ich dann auch diesen Brief zum Heiligen Vater.

In vielen Dörfern und Städten besuchte ich bei meiner Durchfahrt die Kirche. Es war aber immer ein Risiko mein Fahrrad mit dem Gepäck (Alles was ich bei mir hatte) unbeaufsichtigt vor der Kirche stehen zu lassen. Ich betete also immer zuerst für mein Rad und das Gepäck, dass es noch da sei, wenn ich wieder hinausgehe. Erst dann sprach ich mit Gott über andere Dinge.

Der Höhepunkt der langen Reise war aber der Empfang beim Papst. Viele fragten mich, wie ich zu diesem Audienztermin kam. Einfach: ich hatte einen Brief mit der Adresse „Heiliger Vater Papst Franziskus, Vatikan, Rom“ abgeschickt. Nach zwei Wochen kam ein Brief zurück, dass er am 30. Mai ein kurzes Gespräch mit mir führen wolle. Er akzeptierte auch, dass ich nicht feierlich gekleidet kommen konnte. Dies fragte ich im Brief an. Ich konnte ja keinen Anzug in den Fahrradtaschen mitnehmen. Als ich dann in der zweiten Reihe hinter den Kardinälen mit ihren purpurroten  Kleidern saß, fühlte ich mich mit meiner Radkleidung etwas deplaziert. Neben mir waren etwa ein Dutzend gut gekleideter VIPs, die mich wie einen Aussätzigen behandelten. Papst Franziskus störte mein sportliches Outfit nicht. Nachdem er mit den Damen in schwarzen Kleidern und schwarzem Schleier neben mir gesprochen hatte wendete er sich ebenso herzlich an mich. Vielleicht fühlte er, dass mein Sportleiberl noch unbenützt war. Ich hatte es mir für diesen Tag aufgespart.

In manchen Restaurants und Hotels war man da nicht so großzügig. Mit Fahrradkleidung hatten sie keinen Platz für mich.

Liebe Grüsse
Leonitas

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